AYVALIK IN DER GESCHICHTE

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"the image of our hotel (Patamos) from 1930 to 1940"



Wenn wir die Entwicklung der Stadt Ayvalik in der Geschichte verfolgen wollen, dann müssen wir weit in die Vergangenheit zurückschauen. Die Geschichte der Stadt ist tatsächlich sehr interessant und Neugier erweckend. Fest in der Vergangenheit verwurzelt, dynamisch, farbenreich und vielfältig. Wenn wir die Antike betrachten, dann würden wir zuerst auf die Inseln stoßen, die gleich vor der Stadt Ayvalik liegen ("Hakotonisa" genannt). Der Name (Hekatos) stammt vom dem Pseudo-Namen des Apollon, dem Hauptgott der Stadt Nesos. Die größte Insel der Apollon-Inseln hieß Nesos. Der Name Nesos stammt wiederum von der antiken Stadt Nasos. Die Insel Nesos wurde im Laufe der Zeit zuerst Moshonisi, dann Cunda und schließlich Alibey genannt. Unter den Apollon-Inseln gibt es auch andere Wohnstätten: Chalkis, Pordoselene und Kydonia. In den geschichtlichen Dokumenten lesen wir viel von Nesos, Chalkis und Pordoselena, allerdings wird Kydonia nur vom Geographen Strabo und Plinius erwähnt. Plinius sagte über Kydonia "im Sommer hat dieser Ort eine berühmte Warmwasserquelle."

AYVALIK'S GRUNDLAGEN
Leider sieht man heute keine Grundmauern mehr, wo früher das antike Kydnonia stand. Trotzdem hat man auf der Grundfläche sehr viele antike Utensilien entdeckt. Wenn man nach dem Alter der Fundteile urteilt, müssen hier hellenistische (330-30 v. Chr.) und römische (30-395 v. Ch.) Wohnzentren gewesen sein. Kydonia hat ihre Blütezeit in der römischen Epoche gehabt. Allerdings verlor die Stadt in der späteren, vor allem in der byzantinischen Zeit, ihre Hauptrolle. Die Wohngegend erstreckt sich bis auf die Ebenen von Ilkkurþun Tepe (Der-Erste-Schuss-Hügel). Wenn man nach den archäologischen Fundorten urteilt, muss die Stadt noch einmal eine zweite Entwicklungsphase durchlaufen haben. Im Laufe der Zeit waren die Städte Chalkis und Pordoselene völlig zusammengebrochen. Kydonia und Nesos trotzten der Zeit. Die Stadt Kydonia (das heutige Ayvalik), Nesos als Cunda haben sich bis heute behaupten können. Nach den griechischen Historikern wurde die Stadt um 1700 von den geflüchteten Einwohnern der Inseln gebaut, die von Piraten ununterbrochen geplündert wurden. Zuerst ließen sich die Einwohner in Kabakum (Grober Sand) nieder, aber als die Schikane durch die Piraten nicht mehr auszuhalten war, zogen sie nach Küçükköy (Das Kleine Dorf) um. Von dort aus zogen sie noch einmal weiter und ließen sich an der Küste nieder. Dort erbauten sie endgültig die Stadt Ayvalik. Der Ort Ayvalik war bis Ende des 18. Jahrhunderts eine kleine Stadt, in der die Fischer und die einheimischen Bauern wohnten. Nachdem viele Menschen hierher umzogen, entwickelten sich in der Stadt Manufaktur und Handel - somit vergrößerte sie sich mit der Zeit. Was im Prinzip die soziokulturelle Entwicklung von Ayvalik und Cunda bestimmte, waren die Manufaktur und der Handel mit den Mittelmeerländern.

HASAN PAÞA DER ALGERIER IN AYVALIK
Mit der Weiterentwicklung von Ayvalik im 18. Jahrhundert tritt der Pfarrer Ikonomou als besonderer Einwohner hervor. Nachdem der Pfarrer Ikonomou anfing, mit dem osmanischen Staatsmann Hasan Paþa der Algerier eine gute Beziehung zu pflegen, nahm die Beziehung der Stadt Ayvalik zu dem Osmanischem Staat eine andere Richtung. Die "historische" Entwicklung der Beziehungen der beiden Männer wird so dargestellt: Als Hasan Paþa der Algerier um 1770 in der Nähe der Insel Koyun mit der russischen Flotte im Krieg stand, wurde sein Schiff getroffen und brannte nieder. Der Paþa konnte verwundet an Land gebracht werden. Er und seine Leute versuchten, in der Stadt Unterschlupf zu bekommen. Mit dieser Absicht klopfte er an die Tür des Pfarrer Ikonomou. Im ersten Augenblick machte er keine Angaben zu seiner Person. Er wurde herzlich aufgenommen und gut bewirtet. Als der Pfarrer sein Vertrauen gewonnen hatte, beichtete er ihm offen, weshalb er dort war. Er brauchte Hilfe, um zu seiner Flotte zu gelangen. Daraufhin stellte der Pfarrer alles zur Verfügung, damit der Paþa weiterkommen konnte. Es klappte alles hervorragend. Nach Jahren stieg der Paþa zum Ministerpräsidenten auf. Inzwischen drohte aber in der Stadt Ayvalik die Wirtschaft zusammenzubrechen. In dieser Situation blieb dem Pfarrer nichts anders übrig, als sich an den neuen Ministerpräsidenten in Istanbul zu wenden und ihn um Hilfe zu bitten. Was der Pfarrer wollte, war ein Autonomiebeschluss für die Stadt Ayvalik. Der Paþa kam ihm entgegen und gab ihm dieses Dokument. Mit dem Beschluss wendet sich das Schicksal der Stadt Ayvalik plötzlich. Es ist das Jahr 1773.

KONSULATE WERDEN ERÖFFNET, AKADEMIEN WERDEN GERGRÜNDET
Der Autonomiebeschluss treibt die Entwicklungslinie der Stadt Ayvalik in die Höhe. Mit der wirtschaftlichen Autonomie versucht die Stadt, ihre materiellen Möglichkeiten auszuschöpfen, indem sie den Handel und die Manufaktur antreibt. Nach wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand fördert die Stadt die kulturellen und künstlerischen Leistungen der Einwohner. Der Wohlstand, das Kapital und die Kultur der Stadt zeigen sich am besten in ihrer Architektur. Während dieser Jahre bekommt die Stadt eine fabelhafte architektonische Linie. Ayvalik's Wohlstand zeigt sich daher am besten an den neuen Bauten. Nachdem den Küstenstädten erlaubt wurde, Konsulate zu beherbergen, nimmt der Entwicklungstrend Ayvalik's ein rasantes Tempo. Hintereinander werden Konsulate Englands, Ýtaliens, Österreich-Ungarns und Norwegens eröffnet. 1803 wird in der Stadt Ayvalik eine wissenschaftliche Akademie, in der Philosophie, Philologie, Physik und Mathematik gelehrt wird. In der zwischen Zeit nehmen die Oliven- und Seifenwerkstätten in der Stadt einen entscheidenden Platz ein.

AYVALIK WIRD DER KREISSTADT BALIKESIR UNTERSTELLT
Bis 1847 war Ayvalik der Stadt Saruhan (heutiges Manisa) und in dem gleichen Jahr der Stadt Hüdavendigar (heutiges Bursa) unterstellt. Später wurde sie der Stadt Karesi (heutiges Balikesir) unterstellt. Um die Verbindung zum Meer zu ermöglichen und um den Handel anzutreiben, wird der Dalyan-Kanal erweitert. Diesen Prozess stellt Doðan Aka in seinem Buch "Wirtschaftliche Geographie Ayvalik's" so dar: "Der Dalyan-Kanal, der den Hafen von Ayvalik zum Ägäisches Meer öffnet, wurde im Jahr 1880 von einer Firma gebaut. Die Arbeiten dauerten zwei Jahre, aber die Firma bekam die Führung des Kanals für zwanzig Jahre übertragen. Sie konnte viel Geld aus der Betreibung des Kanals schöpfen. Als der Kanal erweitert wurde, konnten nun die großen Handelsschiffe endlich in den Hafen gelangen, was zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt besonders beitrug"

IN VIER VERSCHIEDENEN BASAREN TAUSEND LAEDEN
Ab 1889 beherbergte die Stadt Ayvalik 22 Olivenölwerkstätten, 30 Seifenwerkstätten, 80 Mühlen von verschiedenen Sorten, 11 Kirchen, 6 Schulen, 11 Stadtbezirke und 4607 Häuser. Ayvalik entwickelte sich zu einer großen Stadt. Ab dem Tag konnte man auch viel mehr Trauben ernten, was die Erzeugung von mehr Wein bedeutete. Aus Afrika und Asien hierher gebrachte Felle konnten bearbeitet und im Inlands- und Auslandsmarkt verkauft werden. Nebenbei wurden in den Mühlen, die auf dem Hügel eins nachdem anderen standen, Weizen aus Makedonien zu Mehl gemahlen. Bei dieser Gelegenheit kamen Händler aus Europa direkt nach Ayvalik, um Olivenöl zu kaufen. Die gut duftenden Seifensorten wurden nach Russland und in die Balkanländer exportiert. Die Exportwaren Olivenöl und Seife förderten gleichzeitig den Meerhandel. Die wirtschaftliche Entwicklung regte den Hafenhandel deutlich an. Schließlich besuchen in jedem Jahr 600 dampfbetriebene Schiffe und 200 Segelschiffe den Hafen, was die Einnahmen der Stadt in die Höhe trieb. Alleine im Jahre 1920 erwirtschaftete die Stadt 1,5 Millionen Gold-Lira durch den Hafen. Viele Besucher nannten deshalb Ayvalik, "Boston des Orients". Nachdem die Einwohnerzahl 30 tausend erreichte, vergrößerte sich der Innen-Basar noch mehr. Heute öffnen in vier verschiedenen Basaren jeden Tag 1000 Läden ihre Türen.